Die Transformation geht weiter: Sabine Bevendorff 2

Sabine war vor fast fünf Jahren eine meiner ersten Interviewpartner. Ihre Lieder helfen mir auch in herausfordernden Zeiten in meiner Mitte zu bleiben. Heute erzählt sie, was sich seit dem Januar 2016 bei ihr verändert hat und wie ihre Transformation weitergeht:

1. Was hat sich seit dem Interview bei Dir verändert?

Also zunächst einmal bin ich doch einige Jahre älter geworden und habe die 50 inzwischen überschritten.
In der Zwischenzeit habe ich Ausbildungen im Bereich Naturcoaching, Ritualgestaltung bei Ursula Seghezzi sowie Stimm-Balance bei Iris Hammermeister gemacht, die meine Singarbeit wesentlich ergänzen und vertiefen. So sind neben Singkreisen, -seminaren und Einzelbegleitung auch das Feiern der Jahreskreisfeste ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit und meines Lebens geworden.
Das Wissen um die natürlichen Wandlungsprozesse im Kreis des Jahres helfen mir, mit Veränderungen umzugehen und mich den Transformationsprozessen dieser Zeit hinzugeben und Widerstände, die ganz selbstverständlich dazu gehören, früher aufzuspüren.
Auch sind aus diesem Erleben heraus 2 weitere CDs mit eigenen Liedern entstanden.

Gerade vor etwa einem Monat ist mein neues Album „Die Erde ruft“ erschienen. Als ich im April zu Beginn der Corona-Krise das gleichnamige Lied im Tonstudio aufnahm, drängte sich dieser Titel förmlich wie von selbst auf das Cover. In dieser Krise wurde mir noch einmal so viel tiefer deutlich, dass es für die Erde wesentlich ist, dass wir sie hören und wie sehr sie uns braucht und wir sie.

2. Wie gehst Du mit der aktuellen Krise um?

Ich glaube, eine wesentliche Herausforderung und Lernaufgabe dieser Krise ist das Anschauen von Projektionen und eigenen Schatten. Solange wir immer andere für unser Leid verantwortlich machen, bleiben wir in der Ohnmacht und damit in unserem eigenen Hamsterrad gefangen. Deshalb ist es mir wichtig, mir meine eigenen Themen anzuschauen und, so gut es mir möglich ist, mich selbst liebevoll an die Hand zu nehmen und alte Muster zu entlarven.

Für mich ist jetzt die Zeit, in der es darum geht, das Handwerkszeug, das wir in den vergangenen Jahren erarbeitet haben, anzuwenden und nicht mehr nur darüber zu reden. Das Singen und auch die Ritualarbeit im Kreis des Jahres sind für mich solche Werkzeuge.
Dabei ist das Singen wohl einer der am stärksten durch die aktuelle Corona-Krise eingeschränkten Bereiche. Ich spüre, dass mir das zu schaffen macht, mich herausfordert und gleichzeitig auch unerwartet stärkt.
Nichts ist mehr so wie es war.
Wandel geschieht, wir können ihn nicht machen.
Immer wieder fühle ich mich aufgefordert, Widerstände anzuschauen, loszulassen und mich einzulassen auf das, was sich eben nicht ändern lässt.

Die ersten Monate war das Singen gänzlich verboten und meine Arbeit sozusagen von jetzt auf gleich lahmgelegt. Ich war froh, dass ich in dieser Zeit sowieso schon Tonstudiotermine für CD-Aufnahmen geplant hatte. Nach einigem Hin- und Her und trotz Unsicherheiten konnte ich die dann auch tatsächlich wahrnehmen. Das hat mir sehr geholfen und es tat mir gut, mich für ein paar Wochen ganz und gar in meine Musik zurück zu ziehen. Daneben arbeitete ich mich in die Technik ein, die es mir erlaubte, Online-Singkreise anzubieten. Es hat mich sehr berührt, wie viele Menschen sich auf dieses zunächst doch gewöhnungsbedürftige Format eingelassen und von zu Hause aus mit uns gesungen haben. Und es hat mich tatsächlich auch finanziell ein gutes Stück getragen, als plötzlich sonst wesentliche Einnahmen wegfielen. Das tat gut und hat mich sehr gestärkt in dieser Zeit.

Seit August wurde das Singen mit Einschränkungen zunächst nur draußen wieder erlaubt. Und so hat der Sommer mit vielen schönen Sonnentagen einige schöne Singkreise in der Natur und sogar ein Singwochenende möglich gemacht.
Nun steht der Winter vor der Tür. Draußen ist es inzwischen zu kalt für das gemeinsame Singen. Das ständige Beschäftigen mit aktuellen Auflagen kostet Kraft und dennoch bedeutet mir das Singen so viel, dass es mir sehr wichtig ist, möglich zu machen, was gerade geht. So singen wir jetzt in kleinen Gruppen mit Abstand und mit vorheriger Anmeldung.
Mit fehlt die Nähe, die Berührung, direkte persönliche Begegnung im Singen und auch die Größe der Gruppen, die früher selbstverständlich war. Es fällt mir nicht leicht, immer wieder Menschen auch absagen zu müssen, weil die Raumgröße nur wenige Menschen zulässt. Und gleichzeitig ist es mir wichtig, dies alles zu tun.
Es berührt und stärkt mich, wahrzunehmen, wie sehr die Verbundenheit im Singen trotz aller Auflagen spürbar werden kann und wie wertvoll es ist, unser Nervensystem in diesen angespannten Zeiten dadurch zu beruhigen und Kraft in der singenden Gemeinschaft zu tanken.

3. Was wünschst Du Dir für Deinen weiteren Lebensweg?

Ich spüre, es ist an der Zeit, unser materielles Weltbild zu wandeln und die spirituelle Dimension mehr in unser Leben mit einzubeziehen, das Leben ganzheitlicher zu erfassen.
Die Kunst besteht für mich darin, dabei nicht einfach gedanklich in eine bessere Welt zu flüchten, sondern mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben. In der Ritualarbeit habe ich gelernt, mich einer höheren Führung anzuvertrauen und dabei in meinem Tun leiten zu lassen. Mein Wunsch ist, dies immer mehr auch auf meinen Alltag übertragen zu können und somit dem Leben besser dienen zu können und das zu tun, was es von mir braucht.

Für uns alle wünsche ich mir, dass Menschen sich wieder mehr mit der Erde verbinden und neue Werte und hilfreiche Visionen entwickeln. Corona hat uns gezeigt, dass es möglich ist, Leben über Wirtschaftlichkeit zu stellen. Und auch wenn dies vermutlich noch nicht die letzte Herausforderung dieser Zeit ist, hoffe ich auf neue Ideen für eine lebensdienlichere Welt. So wünsche ich mir, dass wir diese Krise gut bewältigen, dass wir gestärkt und gewandelt daraus hervor gehen.
Ich wünsche mir Gemeinschaften, die miteinander leben, arbeiten, singen und tanzen, in denen das liebevolle Miteinander alte Ängste und Traumata heilen kann und wir gemeinsam mit gereiften Visionen an der Gestaltung einer neuen Welt (mit) wirken.

4. Was braucht es, damit Du Dich wohlfühlen kannst?

Um mich wirklich wohl zu fühlen brauche ich ein Umfeld, in dem ich authentisch und lebendig sein kann. Mich nähren Rückzug, Stille und Alleinsein genauso wie liebevolle und ehrliche Verbindungen zu Menschen und die Möglichkeit, mich auszudrücken. Und ich brauche eine natürliche und gesunde Umgebung, Licht, Luft, Wasser und gesunde Natur. Dabei bin ich sehr dankbar, in einem Holzhaus am Rand des Landes in Schleswig-Holstein zu leben, mit Nähe zur Ostsee und einem Garten direkt am Naturschutzgebiet. Dieser Platz schenkt mir immer wieder Ruhe und Raum, mich zu erholen, durchzuatmen und Kraft zu schöpfen, um diese turbulenten Zeiten gut zu bewältigen und den Wandel geschehen zu lassen.

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https://www.youtube.com/watch?v=iIAkVQM0HYk

Ich danke Dir liebe Sabine für Deine inspirierenden Zeilen. Deine Lieder werden mich weiterhin begleiten.
Eine Herzensumarmung zu Dir und meinen wundervollen Lesern.

Hier ist das erste Interview mit Sabine vom 23. Januar 2016: Die Kraft der Lieder – Sabine Bevendorff

Foto: Sabine Bevendorff

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