Reisefieber, gelebte Träume und „Allerley Magisches“ – Ute Walz

In diesem Interview stelle ich Euch eine faszinierende und mutige Frau vor, die ihre Träume lebt und sich in der Lebensmitte selbstständig gemacht hat.
Ihr Blog Living my dreams hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Mit Ute teile ich die Liebe zu Mittelaltermärkten, Steinen und Räucherwerk.
Seit zwölf Jahren nun ist sie auf Mittelaltermärkten unter dem Namen „Allerley-Magisches“ tätig.
Mehr von Ute könnt ihr in diesem Interview und auf ihren Blogs erfahren.

Liebe Ute, kannst Du Dich den Lesern kurz vorstellen und beschreiben was Du tust?

Ich heiße Ute und bin im Jahre 1955 geboren. Schon früh stellte ich fest, dass irgendetwas an mir seltsam ist. Während (fast) alle anderen einen geraden Weg gingen, wurde mir immer alles ziemlich schnell langweilig. Das Schönste waren immer die Urlaube. Oft lebte ich das ganze Jahr hauptsächlich darauf hin. Seit vielen Jahren verbinde ich nun schon das Arbeiten mit dem Reisen und genieße es Tag für Tag.

Du hast Dich 2004 selbständig gemacht – was hat Dich bewogen, diesen Weg zu gehen?

Mir ging damals wieder einmal mein Bürojob auf die Nerven. An den Wochenenden aber waren wir (mein Mann und ich) viel mit unserem ersten Wohnmobil auf Flohmärkten unterwegs und so schlich sich bei mir der Gedanke ein, etwas Ähnliches hauptberuflich zu machen. Also meldete ich Ende 2004 ein Reisegewerbe an und startete mit Weihnachtsmärkten und Stadtfesten. Nach kurzer Zeit landete ich dann auf dem ersten Mittelaltermarkt und von dem Zeitpunkt an hatte ich das Gefühl angekommen zu sein.

Was hat Dich auf Deinem Weg bestärkt, was hat Dich getragen?

Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Meine Spontanität, meine Neugier, mein Sinn für die Natur haben sicherlich dazu beigetragen. Das Allerwichtigste aber ist die Freiheit selber über mein Leben zu bestimmen.

Welche Hürden musstest Du meistern?

Da ich meist nach dem Motto „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“ (Johann Wolfgang Goethe) lebe, sehe ich selten etwas als Hürde. Das Geld war immer knapp und oft hatte ich mit meinen alten Wohnmobilen ziemlich Probleme. Es kam häufig vor, dass ich die Einnahmen eines Marktes direkt in die nächste Autowerkstatt tragen musste. Aber ich musste nie hungern und das Geld für Diesel hatte ich auch immer irgendwie.

Gab es auch Zweifel an Deinem Weg und wenn ja – wie bist Du damit umgegangen?

Sicherlich habe ich hin und wieder gezweifelt. Manchmal überlegte ich ernsthaft wieder ein „normales“ Leben zu führen – fünf Tage die Woche arbeiten, am Wochenende frei für alle möglichen Aktivitäten, an den Geburtstagen von Familie und Freunden dabei sein zu können und so weiter. Solche Überlegungen dauerten aber nie wirklich lange. Ich hatte ja meinen Weg gefunden und hätte verrückt sein müssen ihn wieder aufzugeben.

Was sind Deine Stärken?

Komisch, ich lerne ja dazu, aber es fällt mir immer noch schwer meine Stärken zu beschreiben. Es liegt sicher daran, dass mir lange eingeredet wurde, dass meine Stärken meine Schwächen sind. Ich versuche es einmal. Ich bin neugierig auf das Leben, bin spontan, abenteuerlustig, mitfühlend mit Tieren und Menschen und achte die Natur.

Reisen war schon immer eine große Leidenschaft von Dir. Im vergangenen Herbst bist Du mit Tochter und Enkeltochter zu einer ganz besonderen Reise aufgebrochen – magst Du uns dazu etwas erzählen? Wie kam es dazu?

Es war schon lange mein Plan irgendwann komplett im Wohnmobil zu leben und durch die Weltgeschichte zu reisen. Eigentlich hatte ich mir das Ganze zwar mit einem Partner vorgestellt, aber es sind nun einmal nicht viele Menschen so wie ich. Also habe ich die Idee einfach immer nur mit mir herumgetragen. Bis dann im Leben meiner Tochter so einiges passierte, sie meine Idee aufgriff und wir anfingen Pläne zu schmieden. Anfang August sprachen wir das erste Mal darüber und am 25. September starteten wir unser Abenteuer. Man sieht, Spontanität liegt in der Familie.

Wie hat Euer Umfeld auf die Reisepläne reagiert?

Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, wobei zu Anfang die negative Resonanz überwog. Das hauptsächliche Problem war dabei wohl meine Enkelin Alina, die ja noch schulpflichtig ist. Andere Meinungen waren dann aber auch, dass das eine Erfahrung für sie sein wird, die sie nie vergessen wird. Von mir waren die Meisten ja schon so einiges gewohnt, aber diesmal nahm ich ja nun auch noch meine Tochter mit. Es glaubt mir bis heute keiner, dass es ihre Idee war. Es gab aber eben auch sehr, sehr viele positive Meinungen und die taten natürlich besonders gut.

Was bestärkt Dich/Euch bei den Reisen? Was hat sich für Dich seitdem verändert? Würdest Du heute etwas anders machen?

Es ist jedes Mal aufs Neue so toll wie wunderschön die Natur ist. Wir freuen uns täglich über das Meer, die Berge, die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Wir saugen so viele wundervolle Anblicke in uns auf – und genau das sehe ich als wahr gewordenen Traum; das ist etwas, was mir niemand wieder nehmen kann. Nicht zu vergessen sind natürlich die Menschen, die wir kennenlernen. Jeder Einzelne wird immer seinen Platz in meinem Herzen einnehmen und einige werden mich bestimmt noch lange als Freunde durchs Leben begleiten. Dafür bin ich einfach dankbar.
Dadurch ist natürlich mein ganzes Leben bewusster und bunter geworden.
Ich habe viele Fehler in meinem bisherigen Leben gemacht, aber ich bereue nichts und alle haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Warum sollte ich also etwas anders machen?

Du bloggst seit 2015 auf https://livingmydreams.de/ – Was hat Dich dazu bewogen?

Anfang 2015 startete ich meine erste Rucksackreise – allein nach Thailand. Meine Kinder überredeten mich statt E-Mails an alle einzeln doch einfach einen Blog zu schreiben. So schrieb ich auf „Rucksackute“ meinen ersten Blog über meine Reise. Als ich dann wieder zuhause war und sah, wie viele mich im Blog begleitet hatten und da mir auch das Schreiben wahnsinnig Spaß machte beschloss ich, weiterhin zu bloggen. Der Name living my dreams war frei und es ging los.

Wird man Dich in diesem Jahr auf Mittelaltermärkten antreffen?

Auf jeden Fall! Von Ende Mai bis Anfang September mache ich Mittelaltermärkte in Deutschland und Österreich.

Was rätst Du Menschen in der Lebensmitte, die ihren eigenen Weg gehen möchten?

Machen! Ich kann jedem nur raten das zu tun, was ihm Freude macht. Immer nur Wenn und Aber und irgendwann bringt doch nichts und plötzlich ist es zu spät. Vor allem sollte jeder er selbst sein und nicht nur funktionieren wie andere es erwarten.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für Deinen weiteren Lebensweg, welche wären das?

  • 1.Gesundheit – damit ich noch lange mein Leben leben kann
  • 2.Immer wieder auf liebe Menschen zu treffen
  • 3.Auch wenn ich materielle Wünsche eigentlich nicht mag: Ein etwas größeres und zuverlässiges Wohnmobil, das mich den Rest meines mobilen Lebens begleitet.

Wie kann man mit Dir in Kontakt treten?

Über meinen Blog www.livingmydreams.de, über Email Ute@livingmydreams.de oder indem man mich auf einem meiner Märkte oder dort besucht,wo ich gerad mit meinem Wohnmobil stehe .

Liebe Ute, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview.
Alle diese „Verrückten“, die ihre Träume leben und uns dadurch ermutigen, es ebenfalls zu tun, sind mir sehr ans Herz gewachsen: Ich bin darum sehr froh, dass ich auf Deinen Blog gestoßen bin.
Alles Liebe Dir.

Update 29.11.2020

Was hat sich seit dem Interview bei Dir verändert? :

Wie gesagt, lebe ich seit fast 3 Jahren gemeinsam mit meinem Mann zuerst im Wohnmobil und seit 1,5 Jahren im Wohnwagen. Die größte Änderung ist wahrscheinlich, dass ich seit einem Jahr eine kleine Rente beziehe. Zu Anfang haben wir noch gemeinsam Mittelaltermärkte gemacht, aber letztes Jahr tat sich eine neue Chance offen und nun betreuten wir bereits den zweiten Sommer Mietzelte auf einem Campingplatz in Kroatien. Wie sage ich immer so schön : „der beste Job, den ich je hatte“. Wer kann auch schon dort arbeiten, wo andere Urlaub machen 😉 . Wir hoffen, es noch einige Jahre weitermachen zu können.

Wie gehst Du mit der aktuellen Krise um?:

Ich muss gestehen, am Anfang der Corona-Zeit war ich sehr ängstlich. Ich habe mich ziemlich eingekapselt und mit Freunden und Familie fast nur noch telefonischen Kontakt gehabt. Da meine Mutter schon sehr alt war und eine Freundin von mir Krebs hat, fand ich es vor allem für sie einfach zu gefährlich. Heute sehe ich das Ganze wesentlich gelassener. Ich schütze mich so gut ich kann, aber ich lasse Corona nicht mehr mein Leben bestimmen. Was sich durch die ganze Krise allerdings geändert hat, sind die Pläne. Ich war ja noch nie wirklich ein Freund von Plänen, aber inzwischen ist es sogar sinnvoller, einfach in den Tag hinein zu leben – und ihn zu genießen natürlich – , da man nie weiß, was einen am nächsten Tag erwartet. Schwierig macht es natürlich das Reisen in ganz Europa und so haben wir uns unter anderem deshalb entschlossen, diesen Winter in Deutschland zu verbringen.

Was wünschst Du Dir für Deinen weiteren Lebensweg?:

Diesmal kein Roman zur Beantwortung der Frage, weil die Antwort einfach und kurz ist: Gesundheit

Was braucht es, damit Du Dich wohlfühlen kannst?:

Gar nicht so einfach, die Frage. Im ersten Moment kam mir natürlich Sonne, Meer, Natur in den Sinn. Ich denke aber, viel wichtiger ist es, lieben und geliebt zu werden. Huch, hört sich so pathetisch an. Ich denke, kurz gefasst, ich brauche Freiheit, meine Tiere und die Liebe meiner Kinder, damit es mir gut geht.

Fotos: Ute Walz

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann alles bestätigten. Am meisten das erste:
    „Ich heiße Ute und bin im Jahre 1955 geboren. Schon früh stellte ich fest, dass irgendetwas an mir seltsam ist.“
    Das macht sie so wundervoll.
    Wir lieben alle 3 sorry alle 7.

    • Es ist schön, dass Du Ute und ihre Familie persönlich kennst.
      Ute lebt ihre Träume und das finde ich wunderbar.
      Liebe Grüße,
      Sabine

  2. Danke für das Interview, dadurch bin ich ja erst hier gelandet 🙂 Jetzt habe ich die Seite hier mal abonniert und lese sicher weiterhin 🙂 Bin ich doch auch „anders“ 🙂 Zwar noch nicht so alt daß es Menschen seltsam finden, daß ich was Neues starten würde, aber auch nicht mehr so jung, daß ich immer noch meinen Weg suchen müsste. Das tue ich aber noch, und das finden die Menschen seltsam.

    Viele Grüße!

    • Liebe Sandra,

      ich finde es schön, wenn Menschen ihren Weg suchen und finden – egal wie alt sie sind. Es ist immer eine Herausforderung und mit Veränderung verbunden. Das kann manchmal Angst machen.
      Am Anfang wissen wir oft nicht, wie der Weg weitergehen wird.
      Er zeigt sich uns beim Gehen.
      Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest und freue mich über Dein Mitlesen.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Liebe Ute u liebe Sabine,
    wow da ist euch wieder ein wunderbares menschliches Gespräch (statt Interview) gelungen! Also Sabine, du solltest eine frei berufliche journalistische Laufbahn beginnen! Dann bin ich sicher schon Ute auf Märkten begegnet – ich habe ja einiges gemeinsam mit ihr;
    „Ich bin neugierig auf das Leben, bin spontan, abenteuerlustig, mitfühlend mit Tieren und Menschen und achte die Natur.“
    ich hatte auch viele Jahre einen Wohnwagen auf einem FKK Gelände… Camper sind schon speziell u super! Wichtig ist, dass Ute ihren Frieden u ihr Glück gefunden hat! DAS ist der Sinn des Lebens! – DER neue grosse Camper wird auch kommen! Also viel Freude u die Wunder in der Natur gibt es ja geschenkt! Nur danke sagen! ALOHA! Schön, dass ihr da seid!!!

    • Liebe Moni,

      ich danke Dir ganz herzlich für Deinen lieben Kommentar.
      Ja – Gespräch klingt schöner als Interview.
      Ich liebe Mittelaltermärkte und werde Ute auf einem hoffentlich auch treffen.

      Es ist so schön, dass ich solche wunderbaren Menschen wie Dich und Ute kennenlernen darf. Danke.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  4. Hallo Sabine,
    freut mich sehr, dass unser „Gespräch“ mit auf Deine neue tolle Seite umgezogen ist. Es war interessant, es nochmal wieder zu lesen…. ist ja immerhin schon 3 Jahre her…. und festzustellen, dass sich zwar einiges aber nichts wirklich Wesentliches geändert hat. Außer, dass meine Tochter wieder einen festen Wohnsitz hat und ich jetzt mit meinem Mann gemeinsam im Wohnmobil lebe und durch die Weltgeschichte reise.
    Dir wünsche ich ganz, ganz viel Glück und hoffe, dass wir uns doch mal irgendwann persönlich kennenlernen.
    Alles Liebe aus Spanien, Ute

    • Liebe Ute,
      ich lese ja weiterhin gerne auf FB beziehungsweise auf Deinem Blog mit und es macht mir jedesmal Mut, wie Du mit Herausforderungen umgehst. Un da gab es einige sehr heftige in den vergangenen Jahren.
      Doch Du gibst Deinen Traum auf, opferst icht Deine Sehnsucht der Sicherheit. Umso mehr freue ich mich, dass Du jetzt gemeinsam mit Deinem Mann unterwegs bist.
      Ich bin guter Hoffnung, dass wir uns auch persönlich kennenlernen.
      Euch wünsche ich viel Glück auf Eurer Reise.
      Herzensgrüße zu Dir/Euch,
      Sabine

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