Neuland – Wenn das Alte nicht mehr trägt

Krisen und Umbrüche können unser Leben gewaltig durcheinander schütteln. Unsere Gefühle fahren Achterbahn. Sicherheiten und Gewohnheiten brechen weg und wir spüren, dass uns das Alte nicht mehr trägt.
Wir fragen uns, ob wir wirklich unser Leben leben. Uns wird klar dass es Zeit ist etwas Neues zu beginnen, Neuland zu betreten. Gleichzeitig zeigen sich auch Ängste oder wir klammern uns an alte Gewohnheiten. Es fällt uns schwer unsere Komfortzone zu verlassen. Und trotzdem ist es wichtig den Blick nach vorne zu richten. Krisen haben auch ein Geschenk für uns: Wir können lernen und daran wachsen.
Hermann Hesse schrieb in seinem Gedicht „Stufen“:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Was können wir tun, um den Wind der Veränderung für uns zu nutzen und gestärkt aus der Krise hervorzugehen?

Hilfreich ist zunächst eine innere Klausur:

  • Was ist mir wirklich wichtig im Leben, was macht mir Freude und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht?
  • Was sind meine wichtigsten Werte und lebe ich sie?
  • Wer bin ich und wer will ich sein?
  • Was will ich wirklich erreichen?
  • Wie will ich leben, mit wem und wo?
  • Worauf will ich am Ende meines Lebens dankbar zurückblicken?

Dabei ist es sehr hilfreich, Vertrauen in uns und unseren Weg zu haben. Dies kann gelingen, wenn wir die folgenden Punkte beachten:

  1. Ich übernehme die Verantwortung für mich, indem ich gut für mich sorge und mir selbst eine gute Freundin/ein guter Freund bin.
    Dazu ist es wichtig zu schauen, was mir Freude macht und wo ich auftanken kann.
  2. Ich richte meinen Fokus auf die Fülle in meinem Leben. Dabei können Dankbarkeitsrituale helfen – zum Beispiel am Morgen nach dem Aufwachen. Auch in Krisenzeiten gibt es etwas, wofür man dankbar sein kann (ein Dach über dem Kopf zu haben, etwas zu essen…).
  3. Ich setze mir Ziele. Was würde ich gerne tun, wenn ich genau wüsste, dass es gelingt?
  4. Ich handele, indem ich jeden Tag einen weiteren Schritt auf meinem Weg gehe (auch wenn es nur ein ganz kleiner Schritt ist).
  5. Ich suche mir Weggefährten/Gleichgesinnte, die den gleichen Weg gehen oder schon gegangen sind. Dazu gehört auch mich von Miesmachern fernzuhalten.
  6. Ich weiß, dass auch das Hinfallen dazu gehört. Wichtig ist für mich das Wiederaufstehen und Weitergehen.

Um unser Leben zu verändern und neue Wege zu gehen, braucht es zunächst einen ersten Schritt, dann einen zweiten und dritten… Auch Umwege können dazugehören und unser Leben bereichern.

„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.“

Jean Paul

Den eigenen Weg gehen

Ende Januar war ich selbst von einer schweren Krise betroffen. Mein berufliches Umfeld brach weg und ich musste mich neu orientieren. Zunächst zog ich mich zurück und ließ den Gefühlen freien Lauf. Es zeigten sich Trauer, aber auch Angst, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit, Wut und Selbstzweifel.
Nach dieser etwas längeren Phase erwachten endlich wieder meine Lebensgeister und ich begann meine Situation zu analysieren. Ich erkannte, dass mein Leben nicht gefährdet ist und ich selbst Gestalter sein kann. Wichtig war für mich zunächst eine ganz ehrliche Bestandsaufnahme: Wo stehe ich, was kann ich gut, wo will ich hin?
Dazu schrieb ich mir diese Fragen auf und ergänzte sie nach und nach mit meinen Antworten. Waren es zunächst nur wenig Stichpunkte, kamen mit der Zeit immer mehr dazu.
So hatte ich am Anfang das Gefühl, alle anderen im Stich zu lassen. Durch die innere Inventur erkannte ich jedoch, dass ich vor allem mich selbst oft im Stich gelassen hatte: Die mir wichtigsten Werte – Freiheit, Selbstbestimmtheit, Liebe/Selbstliebe, Familie und Freundschaft – habe ich viel zu wenig gelebt und stattdessen die Ziele anderer verfolgt.
Diese Selbstreflexion war für mich sehr wichtig. Ich wusste am Anfang vor allem, was ich nicht wollte. Nun erkannte ich, was mir wichtig war und was mich antrieb: Ich wollte Menschen berühren und ihnen Mut machen, den eigenen Weg zu gehen, die eigenen Potenziale zu erkennen und auch zu leben. In meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit mit Schlaganfallpatienten war mir dies schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen.
Ich begann sehr viel im Internet zu recherchieren, bekam viele Anregungen über verschiedenste Webseiten/Blogs, las unzählige Ratgeber und stellte erste Kontakte zu Gleichgesinnten her.
Geholfen haben mir auch Meditation und Dankbarkeitsrituale, denn dadurch konnte ich meinen Fokus immer mehr auf die Fülle in meinem Leben lenken.
Ich habe gelernt, meine Bedürfnisse wichtig zu nehmen und das Alltägliche wieder mehr zu schätzen. Wenn ich merke, dass ich wieder im gedanklichen Hamsterrad feststecke, nehme ich mir eine Auszeit. Dabei ist mir die Natur eine wichtige Wegbegleiterin. Sie richtet und wertet nicht. Hier kann ich einfach nur sein.
Jetzt folge ich meiner Sehnsucht und der Freude, die mein inneres Feuer entfachen. Ich spüre nun den Zauber des Neuanfangs und bin neugierig, welche Schätze sich zeigen.
Derzeit bin ich dabei, ein Visionsboard zu erstellen, um weiter an meinen Stärken zu arbeiten.

Ich würde mich freuen, wenn du deine Erfahrungen teilst. Was hat dir in Krisenzeiten geholfen und dich in der schweren Zeit getragen?
Alles Liebe,
Sabine.

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