Neue Wege in der Lebensmitte : Peter Wiesejahn

Peter Wiesejahn habe ich über die Blogparade von Kiwi Pfingsten „Wenn Türen sich öffnen“ kennengelernt. Er beteiligte sich gleich mit drei Beiträgen, was mich natürlich neugierig machte.

Peter beschreibt in seinem Blog, dass er in seinem Leben oft Umwege gegangen ist.
Nach einer Ausbildung als Elektriker und dem Bestehen des Fachabiturs studierte er Elektrotechnik.
Nachdem er 2003 als Projektleiter in einem Unternehmen scheiterte, zog Peter Bilanz und beschloss einen anderen Weg zu gehen.
Schon während seines Studiums hatte er sich auch im pädagogischen und sozialen Bereich sehr engagiert und teilweise auch als Bildungsreferent gearbeitet.
Nun wagte er den Schritt in die Selbständigkeit als Coach, Supervisor und Trainer.

Als ich Peter im Januar um ein Interview bat, sagte er zu meiner Freude sofort zu.
Seine Antworten könnt Ihr hier lesen:

Vorweg

Ich möchte dir, liebe Sabine, von ganzem Herzen für dieses Interview danken!
An dieser Stelle werde ich der Frage „Was rätst Du Menschen in der Lebensmitte, die ihren eigenen Weg gehen möchten?“, kurz vorgreifen.
Meine Erfahrung mit Freunden, Kunden und mir selber ist, dass wir unser Sein und unsere Fähigkeiten oft für normal halten. Wir leben unser Leben auf unsere Weise und so wird es für uns zur Normalität.
Wir gehen davon aus, dass andere die gleichen Fähigkeiten besitzen und wir nur eine/r von vielen sind. Das liegt in der menschlichen Natur. Wenn es uns gelingt, wie zum Beispiel durch deine Fragen, Sabine, eine Metaposition uns selbst gegenüber einzunehmen, kann sich das ändern.
Rückwirkend erkennen wir was wir in unserem Leben schon alles erreicht haben und was in uns steckt.
Wenn du dich auf einen „neuen“ Weg begeben möchtest, schau in deinem Leben zurück! Mach dir klar, was du schon alles erreicht hast! Das wird deine Motivation beflügeln.
Mir hat das Interview noch einmal vor Augen geführt, was denn auf meinem Lebensweg so alles passiert ist. Ich war selber überrascht, mit welcher Leichtigkeit, fast spielerisch, ich selbst große Hürden genommen habe.
Nochmals danke dafür!

Lieber Peter, könntest Du Dich den Lesern kurz vorstellen und beschreiben was Du tust?

Also gut, dass ich Peter heiße weiß ja jetzt jeder. Ich bin 1966 in Köln geboren und seitdem dieser Stadt beziehungsweise dem Umfeld treu geblieben. Hier lebe, lache, liebe und arbeite ich.
Da ich bisher ein recht spannendes Leben hatte ist das, was ich tue recht unterschiedlich. Ich habe das Glück, meist das tun zu können, was ich mag. Aus diesem Grunde ist meine Arbeit Teil meines Lebens. Das bedeutet, dass „Arbeit“ und „nicht Arbeit“ fließend ineinander übergehen.
In meinem Leben gibt es alte, lieb gewonnene Tätigkeiten. Als gelernter und studierter Elektriker frickele ich hier und da gerne herum. Mein Interesse an technischem Spielzeug und Neuerungen aller Art ist ungebrochen. Ich lese unglaublich gerne und treffe mich so oft wie möglich mit Freunden.
Ich bin auch fasziniert davon meine Möglichkeiten zu erweitern. Gerade habe ich mich zu einem „Malkurs“ angemeldet. Mein Umfeld würde bestätigen, dass dies sicherlich eine eher unterentwickelte Fähigkeit bei mir ist. Getreu dem Motto von Pippi Langstrumpf: „Da ich es noch nie gemacht habe, gehe ich davon aus, dass es mir gelingt.“, liebe ich es, mich selber herauszufordern und immer wieder neue Dinge auszuprobieren.
Ansonsten schaue ich, was der Tag so bietet und was ich dem Tag bieten kann. Von Angeln über Schwimmen bis zur Zuckerbäckerei ist mir wenig fremd. Müßiggang und Meditation fallen mir leider schwer. An beidem übe ich mich noch.
Das Wichtigste in meinem Leben ist der persönliche, direkte Kontakt mit Menschen.
Da sich die Frage sicherlich auch auf die Arbeit bezieht, werde ich diese hier noch kurz ergänzen. Ich arbeite als Berater und Coach hauptsächlich mit Menschen aus dem sozialen und kreativen Bereich. Stationsleiter, Gruppenleiter, Bereichsleiter aus Pflege, Alten-, Behinderten- und Jugendhilfe sowie Künstler (Maler), Schauspieler, Regisseure gehören zu meinem Kunden.
Seit 2009 unterstütze ich Menschen, die sich „privat“ verändern wollen. Hausfrauen, die wieder beruflich tätig werden möchten; Fitnesstrainer, die sich selbstständig machen möchten oder Paare, die nach dem Auszug der Kinder ein neues Umfeld für sich schaffen wollen. Um nur einige Beispiele zu nennen.
Darüber hinaus leite ich ein Unternehmen in der Jugendhilfe.

Seit 13 Jahren bist Du selbstständig tätig – was hat Dich bewogen, diesen Weg zu gehen?

Das ist recht schnell erzählt. Ich wusste, was ich machen wollte. Ich wollte im Bereich Beratung, Coaching, Training arbeiten, aber niemand war bereit mich einzustellen. Die Absagen waren sehr widersprüchlich: „Zu alt.“; „Zu jung.“; „Zu unerfahren“; „Überqualifiziert“. Irgendwann bot sich die Chance freiberuflich einzusteigen. Die habe ich dann ergriffen. Seit diesem Zeitpunkt bin ich selbstständig.

Welche Hürden musstest Du meistern?

Oh herrje, unzählige. Die Hürden habe ich allerdings erst rückblickend richtig wahrgenommen. Angefangen von Grundlegendem. Heutige Hauptauftraggeber haben mir vor Beginn meiner Selbstständigkeit von selbiger abgeraten. Freunde meinten, dass es zu viel Arbeit für zu wenig Geld ist.
Der finanzielle Status. Alles Geld war in die Grundausstattung des Büros geflossen. Es gab nicht einen Euro mehr. Zum Glück kamen ein paar Aufträge herein. Auf der Rückfahrt vom ersten Kunden ging mein Auto kaputt und war nicht mehr zu reparieren. Kein Auto, kein Job. Das musste gelöst werden. Banken wollten mir keinen Kredit geben, da ich ja selbstständig war. …
Dann das ganze Thema Selbstmarketing. Ich bin eher ein ruhiger Mensch und mache nicht viel Aufhebens um das, was ich tue. Rückblickend würde ich mich in diesem Bereich als schüchtern beschreiben. Hier kam und kommt mein Handwerkerherz zum Tragen. Ich packe es an, mache einen guten Job und damit reicht es mir. Den Bereich des Selbstmarketings musste ich mir deutlich erobern.
Auseinandersetzungen zum Honorar. Möglichkeiten zum Abschalten finden. Drei Monate lang von 50 € Reingewinn leben. Mit eigenen Fehlern umgehen ………
Wie gesagt es gab mehr als genug Hürden.

Gab es auch Zweifel an Deinem Weg und wenn ja – wie bist Du damit umgegangen?

Nun ja, klar gab und gibt es immer mal wieder Zweifel. Da ich aber fest an das, was ich tue und wollte geglaubt habe, waren die Zweifel eher unterschwellig. Wiederum rückblickend frage ich mich manchmal, wo ich die unbändige Gewissheit, dass ich erfolgreich sein werde, hergenommen habe.
So haben sich die meisten Zweifel schnell erledigt. Der Grundgedanke und die Gewissheit: „Dass wird schon!“, hat mir auch in schwierigen Zeiten weitergeholfen.

Was hat Dich auf Deinem Weg bestärkt, was hat Dich getragen?

Sicherlich in aller erster Linie der Glauben an mich und meine Fähigkeiten. Meine Freunde, wenn es mal wieder ganz eng wurde. Ein guter Austausch mit Kollegen in fachlichen Fragen. Ich habe mich schon weit vor meiner Selbstständigkeit kontinuierlich selber coachen lassen und ziehe das bis heute durch. Wenn ich gemerkt habe, dass Anteile meiner eigenen Persönlichkeit ein gutes Leben, und damit eine gute Arbeit erschweren, habe ich auf eine therapeutische Hilfe zurückgegriffen.
In diesem Bereich spare ich meine Kunden absichtlich aus. Ich glaube, dass es wichtig ist, sich unabhängig von seinen Kunden weiterzuentwickeln. Nur so kann ich für meine Kunden das volle Potential erreichen. Sobald ich mich von den Reaktionen meiner Kunden abhängig mache, fange ich an mich in ihre Richtung und nicht in meine zu entwickeln. Das wäre für mich zu einseitig gesetzt und es würde den Gewinn für meine Kunden schmälern.
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht verschweigen, dass mir die Arbeit mit meinen Kunden nach wie vor Spaß macht. Sie bietet unzählige Lernmöglichkeiten, welche meine Entwicklung zusätzlich unterstützen.

Was ist das Wichtigste, was Du auf deinem Weg gelernt hast?

Das Leben findet einen Weg! Immer!

Welche Stärken konntest Du einbringen?

Ich glaube, dass meine Handwerkermentalität ein wichtiger Punkt in meiner Arbeit ist. Probleme lassen sich lösen und Hindernisse überwinden. Manchmal muss man richtig mit anpacken. Wenn ich während einer Coachingsitzung oder in einem Training an einen Punkt komme, an dem ich nicht weiter weiß, investiere ich die Zeit zum Lernen. So kann eine Stunde Kontakt mit dem Kunden schon einmal dazu führen, dass ich zehn und mehr Stunden für mich selbst an dem Thema weiter arbeite. Ich habe keine Angst mir auch im übertragenen Sinne die Hände schmutzig zu machen. Das bedeutet, dass ich auch unangenehme Themen angehe und aufzeige.
In Krisensituationen mache ich meinem Namen alle Ehre. Dann bin ich der Fels in der Brandung, der Wellen aufhält anstatt sich von Ihnen umwerfen zu lassen.
Weiterbildung ist für mich persönlich ein zentrales Thema. Ich bin wissbegierig und neugierig. Dann integriere ich die Dinge, die zu mir und meiner Persönlichkeit passen in mein Leben und meine Arbeit. Den Rest lasse ich ziehen.

Was würdest Du heute anders machen?

Letztendlich nicht viel. Ich würde mich früher mit anderen zusammentun. Mit den Bereichen in Meditation üben und einen Blog gestalten würde ich schon eher beginnen.

Was rätst Du Menschen in der Lebensmitte, die ihren eigenen Weg gehen möchten?

Zum einen würde ich das Thema Berufung erst einmal vergessen. Ich habe schon zu viele Menschen getroffen, die daran verzweifelt sind ihre Berufung nicht zu finden. Bei mir persönlich merke ich auch, dass meine „Berufung“ deutlichen Änderungen unterliegt.
Im Grunde genommen sollte jeder den Weg gehen, der ihm Freude bereitet. Wer allerdings übersieht, dass dieser Weg auch steinig sein kann, wird wahrscheinlich scheitern. Manchmal bedeutet „seinen Weg zu gehen“ sich mit unangenehmen Themen und Herausforderungen auseinanderzusetzen. Das ist dann richtig knochenharte Arbeit. Hier springen leider viel zu viele ab. Ihr Licht, was für sie und andere leuchten könnte, verschwindet unter dem Scheffel.
Für mich persönlich gilt hier die Formel 3:1. Wenn es mir gelingt drei Dinge zu tun, die mir Freude bereiten, kann ich das eine, was mir unangenehm ist gut ertragen. Das ist meine Form von Glück.
Dann ist da der Punkt Sicherheit. Bei mir merke ich, dass mein Sicherheitsdenken mit zunehmenden Alter wächst. Ich finde es sehr wichtig zwischen tatsächlicher und scheinbarer Sicherheit zu unterscheiden. Ich stelle mir persönlich immer wieder die Frage: „Woher weiß ich, dass es wirklich sicher ist?“ Diese Frage empfehle ich meinen Kunden, die sich auf neue Wege begeben wollen auch. In den meisten Fällen merke ich, dass ich mir die Sicherheit einbilde. Dann kann ich sie getrost vergessen.
Wer dennoch unsicher ist, sollte sich langsam an seinen Weg herantasten. Hierbei finde ich es allerdings wichtig, am Ball zu bleiben und jeden Tag ein Stück weiter auf seinem Weg zu gehen und sei es nur für 15 Minuten. Wichtig ist täglich etwas zu tun, was dich weiterbringt.
Am wichtigsten finde ich es, sich frühzeitig mit anderen Menschen, die einen begleiten können zusammen zu tun. Das ist dank sozialen Medien heute kaum mehr ein Problem.
Ich empfehle auch sich Menschen, die ihren Weg gegangen sind näher anzuschauen. Zum Beispiel durch Biografien. Hier kann jeder etwas lernen.

Du führst einen Blog: http://projekt-david.de .Was hat dich dazu bewegt zu bloggen und wann hast du damit angefangen?

Mit meinem Blog habe ich mich Mitte 2014 erstmals beschäftigt. Die offizielle „Geburt“ habe ich auf den 25.01.2015 festgelegt.
Entstanden ist der Blog aus drei unterschiedlichen Ideen.
Irgendwie wollte ich immer ein Buch schreiben. Da meine Themen zu unterschiedlich sind, habe ich bis heute keine gute Idee gefunden, sie unter einem Titel zusammenzufassen. Hier kam mir die Möglichkeit einzelne Artikel zu verfassen sehr gelegen.
Einige Kunden haben mich darauf angesprochen, meine Ideen einem größeren Publikum zur Verfügung zu stellen. Dieses war und ist über einen Blog sehr gut möglich.
Dann sollte mein zweiter Blog „Integer Leben, Inspirierend Leiten“ dem Selbstmarketing dienen. Hierzu wollte ich erst verstehen wie das mit dem Bloggen funktioniert. Eigentlich sollte mit diesem Blog das Projekt David langsam aber sicher einschlafen. Mittlerweile ist es mir aber so ans Herz gewachsen, dass ich es weiterbetreiben muss.

Wofür brennst du? Was ist deine größte Leidenschaft?

Für die kleinen Wunder die in jeder Begegnung stattfinden und die vielen Wunder des Lebens.

Wenn Du drei Wünsche frei hättest für Deinen weiteren Lebensweg, welche wären das?

Ich möchte mein Leben gerne weiter so gestalten wie bisher und es mit ausgewählten Menschen teilen. Das sowohl auf einer Persönlichen als auch auf einer arbeitstechnischen Ebene.
Mein größter Wunsch, in Bezug auf die Arbeit, ist es, ein Zentrum für Menschen in sozialen Berufen zu errichten. Es soll dem Austausch, der Beratung und der Weiterbildung dienen.
Dann würde ich gerne zwei bis dreimal im Jahr eine Kombination aus Urlaub und persönlicher Weiterentwicklung anbieten.

Wie kann man mit Dir in Kontakt treten?

In jedem Fall über das Projekt David http://projekt-david.de/
Über Integer Leben, Inspirierend Leiten http://leitung-supervision.de/
Meine Homepage www.peterwiesejahn.de
Twitter https://twitter.com/PeterWiesejahn

Lieber Peter, ich danke Dir ganz herzlich für dieses Interview und ich wünsche Dir auf Deinem weiteren Weg alles, alles Gute.

Foto: Peter Wiesejahn

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Sabine,
    meine kleine Dankesrede an dich hast du ja aus meinem Interview rausgenommen. Daher möchte ich die Kommentare nutzen um mich noch einmal ganz, ganz herzlich bei dir zu bedanken!
    Deine Fragen haben mich unterstützt, in eine Metaposition zu gehen und mir meine eigenes Leben nochmal in einer Art „Kinofilm“ mit mir als Hauptdarsteller anzuschauen.
    Vielen Dank für diese Möglichkeit
    Peter

    • Lieber Peter,
      ich habe Deine Dankesrede noch hinzugefügt – ich habe mich riesig darüber gefreut. Das was Du sagst ist ja nicht nur für mich, sondern für alle Leser sehr interessant.

      Es war sehr spannend, Deinen „Kinofilm“ zu lesen. Hab vielen Dank für Dein Teilen.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  2. Liebe Sabine und lieber Peter,
    mir bleibt nur DANKE zu sagen! ohne Worte! einfach wundervoll! JA – das Leben hat IMMER Recht!
    Herzensgrüsse zu euch – Monika

    • Liebe Moni,

      ich Danke Dir von Herzen für Deinen Kommentar.
      Es ist sehr spannend von so unterschiedlichen Lebenswegen zu erfahren.
      Alles Liebe,
      Sabine

  3. Schönes Interview. Sag Bescheid, wenn Dein Zentrum steht. Ich komm gern auf ein zwei Cappuccini vorbei … 😉
    Liebe Grüße, BlogWart WehrWolter
    (www.WehrWolter.com)

    • Lieber Peter, lieber Hans,

      ich schließe mich an. Wenn das Zentrum für Menschen in sozialen Berufen steht,
      nehme ich gerne eine längere Anfahrt in Kauf.
      Alles Liebe,
      Sabine

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