Erinnerung braucht Mut: Monika Post

Dieser Artikel sollte eigentlich eine Buchvorstellung beinhalten, aber er zeigt auch ein Stück weit den Lebensweg von Monika Post auf, die ich durch ihren Blog Zigeunerweib kennenlernte. Irgendwann erwähnte sie dort ihr autobiographisches Buch „Erinnerung braucht Mut“. Neugierig geworden bestellte ich es mir und begann zu lesen.
Schon am Anfang spürte ich, dass dies ein besonderes Buch ist. Ich tauchte in Monikas Leben ein und musste immer wieder innehalten, weil mich ihre Lebensgeschichte zutiefst berührte.
Ich fragte mich wie ein Mensch so viele Schicksalsschläge verkraften kann und trotzdem immer wieder aufgestanden ist.

Woher hat diese Frau ihre unglaubliche Kraft gewonnen?
Wie kann ein Mensch in einem Leben so viel aushalten?
Wie hat sie es geschafft trotz aller Widrigkeiten Lebensfreude und Selbstliebe in ihr Leben zu integrieren?

Das Buch beginnt mit den Zeilen von Sabrina Gundert:

„Ich habe ein Seminar gebucht,
ein Seminar,
das alles thematisiert –
all meine Ängste und Sorgen,
meine Hoffnungen und Freuden,
die Grübeleien im Kopf,
alle Höhen und Tiefen.

Es ist ein Seminar voll praktischer Übungen:
Übungen, die genau zu den Mustern und Dingen passen,
an denen ich arbeiten wollte.
Jeden Tag.

Ein Seminar namens Leben.“

Sabrina Gundert hat auch das Vorwort geschrieben. Hier einige Auszüge davon: „ (Monikas Leben) erzählt von viel Leid, von Schmerzen, Gewalt und unendlicher Traurigkeit. Aber ebenso von Freude, Glück, Beschenkt sein und Lebenslust. Es ist ein Leben, das uns beide Seiten des Lebens nur zu deutlich vor Augen führt und zeigt, dass das eine ohne das andere nicht existieren kann. Ohne Leiden keine Freude und umgekehrt….
So lernte sie den Weg zu gehen weg von den Erwartungen anderer hin zu sich selbst. Hatte sie lange Zeit ihr Glück im Außen gesucht, wandte sie sich nun immer tiefer nach innen und fand letztendlich das, was sie ihr Leben lang gesucht hatte: sich selbst….
Ihr wurde mehr und mehr bewusst, dass sie selbst Gestalterin, Schöpferin ihres Lebens ist- und so nahm sie ihr Leben in ihre eigenen Hände.
Monika Post macht Mut, das Unmögliche zu wagen, den Ängsten und dem eigenen Leid zu begegnen und zeigt, dass es egal ist, von welchem Punkt, von welcher Lebenssituation aus wir starten – Wandel ist in jedem Augenblick möglich. …
Ein Satz, den Monika Post einmal geschrieben hat, gefällt mir dann auch besonders gut, fasst er ihren Weg doch auf humorvolle Weise sehr treffend zusammen: Das Leben ist verrückter als jede Fiktion!“

Monika wuchs als mittleres Kind in einer Bauernfamilie auf. Vater und Großvater waren sehr gewalttätig und das bekam sie leider sehr oft zu spüren.
Liebe erfuhr sie nicht – weder von den Eltern noch von den Geschwistern. Nur in der Natur und in der Schule fühlte sie sich frei und blühte auf. Hier konnte sie zeigen, was in ihr steckte. Monika war eine gute Schülerin, die Anerkennung zu Hause blieb ihr jedoch versagt. Stattdessen wurde ihr immer wieder vermittelt wie wertlos und hässlich sie sei.

Als Monika mit 18 Jahren ihr erstes Kind erwartete und heiratete folgten ihr die Misshandlungen in ihre Ehe. War ihr Mann am Anfang noch liebevoll, verhielt er sich ihr gegenüber immer gewalttätiger. Oft hatte er keine Arbeit und das Geld war immer knapp. Monika erlebte in ihrer Ehe Himmel und Hölle. In den nächsten Jahren schenkte sie noch fünf weiteren Kindern das Leben. Bei ihrem fünften Kind traf sie ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr kleiner Sohn starb mit zwei Monaten an den Folgen eines Unfalls. Das Leben ging weiter, Monika musste für ihre anderen Kinder stark sein. Innerlich fühlte sie sich gelähmt. Erst viele Jahre später konnte sie weinen und trauern.

Mit 26 Jahren ließ sich Monika scheiden und schlug sich fortan als alleinerziehende Mutter durchs Leben. Viel zu lange hatte sie die Ehe mit ihrem gewalttätigen Mann ertragen, glaubte sie doch nicht liebenswert zu sein.
Die nächsten Jahre waren von Sozialhilfe geprägt und Monika bekam die Ausgrenzung aus der Gesellschaft zu spüren. Doch sie kämpfte und gründete eine Initiativgruppe für alleinerziehende Mütter und Väter, in der gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen stattfanden.
In dieser Zeit traf sie ein weiterer Schicksalsschlag in Form einer Krebserkrankung, die sie mit ihrem Lebenswillen besiegte.

Als die Kinder älter wurden begann für Monika ein neuer Lebensabschnitt: Sie wollte selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und begab sich auf Arbeitssuche. Leicht war es für die gelernte Verkäuferin nicht, da kaum jemand eine alleinerziehende Mutter einstellen wollte. So begann sie mit Putzjobs und bekam auch hier die Verachtung der Gesellschaft zu spüren.
Später war sie als Außendienstmitarbeiterin im Direktvertrieb tätig, als sie mit 40 Jahren ein erneuter Schicksalsschlag traf: Bei einem schweren Autounfall kurz vor Weihnachten zerplatzte ihre Bauchdecke und viele innere Organe wurden geschädigt. Sie litt unter unvorstellbaren Schmerzen und ihr Leben hing an einem seidenen Faden. Mehrmals erhielt sie die letzte Ölung. Doch auch hier siegte wieder der Lebenswille.

Im Alter von 45 Jahren lernte Monika ihren zweiten Mann kennen und lieben. Sie arbeitete später als Verkäuferin in einem Kaufhaus, bis sie mit 54 Jahren erschöpft zusammenbrach. In der anschließenden Reha gelang es ihr schrittweise, dem Leben und sich selber wieder zu vertrauen.

Foto: Monika Post

Nach einer Weile gelang es Monika und ihrem Mann eine Eigentumswohnung in der Schweiz, im Berner Oberland, zu erwerben.
Endlich glaubte sie sich am Ziel ihrer Träume, als sie vor drei Jahren erneut an Krebs erkrankte. Doch auch diesmal kämpfte sie sich zurück ins Leben. Wie – das verrät uns Monika in ihrem zweiten Buch, an dem sie momentan schreibt.

„Neuorientierung
Wie und wo orientiere ich mich neu?
Innen oder außen?
Eine neue berufliche Aufgabe,
ein neues Hobby,
eine neue Wohngegend.

Neue Muster und Verhaltensweisen leben,
im Jetzt Sein
die innere Stimme hören und leben.
Sanft sein.
Neue Menschen und Freunde finden,
neugierig auf das Leben bleiben.
Herausfinden, was mir gut tut,
mit mir Geduld haben.
Jeder Lebensabschnitt fordert
von mir eine Neuorientierung.
Altes gehenlassen,
Neues hereinholen –
oder eher: Platz für Neues machen.
Immer wieder,
bis zum letzten Atemzug.“

(Monika Post)

Mit meinem Artikel konnte ich nur einen sehr groben Überblick geben. Wer mehr von Monika erfahren möchte, sollte auf alle Fälle ihr Buch lesen. Es ist ein Mutmachbuch und hilfreich für alle, die ihr Herz in die Hände nehmen und ihren Weg gehen wollen.

Liebe Moni, ich bin so dankbar für dieses Buch: Deine Worte haben mein Leben bereichert. Ich kann es kaum erwarten, Dein zweites Buch zu lesen und wünsche Dir alles, alles Gute.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Heftige Geschichte.

    Liebe Sabine,

    danke, dass du Monikas Geschichte vorgestellt hast. Starke Menschen geben unglaublich viel Kraft. Solche Geschichten zeigen, dass man alles schaffen kann, wenn man sich treu bleibt und nicht aufgibt. 🙂

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Liebe Ronja,

      hab vielen Dank für Deine Rückmeldung.
      Ich bin sehr dankbar, dass Monika ihre Geschichte aufgeschrieben hat und uns daran teilhaben lässt. Ja – soche Geschichten berühren und machen Mut, den eigenen Weg zu gehen.

      Du bist auch ein Mutmacher mit Deinem Blog. Du lässt Dich nicht unterkriegen.
      Alles Liebe Dir,
      Sabine

  2. VON HERZEN DANKE liebe Sabine für die schöne Buch Vorstellung! Ja, ich habe eine grosse Seelen Energie, die sich das alles kreiert hat und es mich packen liess… und sie wird weiter, wie jede andere Seele auch – kreieren, um zu wachsen und zu reifen. Mögest du und deine Familie gesegnet sein!
    Freude Dir! Herzlicht Moni

    • Liebe Moni,
      ich danke Dir dafür, dass Du dieses wunderbare Buch geschrieben hast.
      Es ist ein großer Mutmacher und Tröster zugleich.
      Du hast vorgelebt, dass es immer einen Weg gibt, auch wenn man ihn nicht gleich sehen kann.
      Ganz herzliche Grüße,
      Sabine

    • Liebe Birgit,
      Monikas Buch und ihre Lebensgeschichte haben mich auch zutiefst berührt.
      Ich bin sehr dankbar für dieses Mutmachbuch.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Wow, welch eine Geschichte
    Liebe Sabine Herzlichen Dank für die Vorstellung von Monika’s Buch.
    Monika ist eine Faszinierende Frau <3 Von Anfang an lese ich da heraus, "wie" Liebenswert sie ist, und das bei all diesen Schlägen. Eine Meisterleistung, die sie da ihr Leben immer wieder gestalten lässt. Und dabei auch noch eine so hübsche und sympathisch aussehende Frau bleiben zu können, ist wunderbar.
    Ich hoffe ich habe die richtigen Worte gefunden um Verständlich zu machen was ungefähr in mir vorging als ich das las. Danke liebe Sabine <3
    Und, Danke Monika <3

    • Liebe Erika,
      Danke für Deine wunderbare Rückmeldung.
      Ich glaube, Monika und Du – Ihr seid Euch in vielen Punkten ähnlich:
      Zwei mutige Frauen, die immer wieder aufgestanden sind und ihr Leben gemeistert haben.
      Danke für Deine Freundschaft.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  4. Da hast Du wohl Recht liebe Sabine. Mir ging auch der Gedanke durch den Kopf das es Ähnlichkeiten gibt zwischen Monika und mir. 🙂
    Und, was unsere Freundschaft betrifft, Uch könnte mir keine bessere und liebere Freundin wünschen <3 auch ich Danke Dir dafür <3 <3 <3

    • Ich danke Dir von ganzem Herzen, liebe Erika.
      Freunde sind ein wunderbares Geschenk.
      Vielleicht schreibst Du ja eines Tages Dein eigenes Buch?
      Herzlichst,
      Sabine

  5. Anfang wäre schon gemacht 😉 Diesbezüglich wollt ich Dich eh mal was fragen. Würdest Du in so einem Buch die Originalnamen verwenden (Vornamen) oder eher erfundene Namen?
    Bis jetzt hab ich Originalnamen.
    Herzensgrüße <3
    Erika

    • Liebe Erika,
      dann freue ich mich schon auf das Buch.
      Ich würde aus datenrechtlichen Gründen immer Pseudonyme für die jeweiligen Personen verwenden.
      Herzlichst, Sabine

  6. Danke für den Hinweis :-*
    Dann werde ich das ändern.
    Wennst das nächstemal da bist, darfst den Anfang lesen wennst magst.
    Herzlichst, <3
    Erika

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