Der Weg einer mutigen Frau: Claudia Domnik

Über eine Recherche im Internet bin ich auf Claudia Domnik gestoßen. Ihre Gründungsgeschichte hat mich sehr berührt. Sie ist eine sehr ungewöhnliche und starke Frau. Sie war Gärtnermeisterin und Verwaltungsangestellte und hat sich 2011 mit einem Kuchenhandel „Kuchenseppel“ selbständig gemacht. Ihr Kampf gegen bürokratische Mühlen wurde 2014 mit dem „Werner Bonhoff Preis wider den Paragraphendschungel“ belohnt. Claudia Domnik hat gezeigt, dass es wichtig ist, an sich zu glauben und den Mut nicht zu verlieren. Hier ist das Interview mit ihr:

Claudia, kannst Du kurz beschreiben wer Du bist und was Du tust?
Mein Name ist Claudia Domnik, 48 Jahre, Gründerin und Inhaberin der Firma Kuchenseppel. Der Kuchenseppel vermarktet Premiumprodukte, direkt vom Hersteller zum Endverbraucher auf diversen Wochenmärkten und Veranstaltungen.

Du hast 2011 von einem Tag zum anderen Deine Schmerzmittel abgesetzt – was war der Grund dafür?
Ich bin kein Mensch, der sich einfach seinem „Schicksal“ ergibt. Ich erkrankte an einem bösartigen Tumor, wurde 6 Mal operiert, nach 78 Wochen ausgesteuert und hatte es jeden Tag mehr als leid, mein Leben nicht selbst in die Hand nehmen zu können. Ich wollte wieder arbeiten gehen, bzw. mich selbstständig machen.

Die Freigabe hierzu konnte mir mein Hausarzt – aus verständlichen Gründen – nicht geben, da ich Morphium und Opiate einnehmen musste. Also setzte ich die Medikamente sofort ab. Ich wollte wissen, wo und ob ich Schmerzen habe, da mir mein Körper damit etwas sagen möchte.

Was hat Dich bewogen, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen?
Selbstständigkeit war schon immer ein Thema für mich. Allerdings war der Schritt dorthin nie wirklich notwendig, zumal mich die Ungewissheit in eine Selbstständigkeit immer ausbremste. Ich hatte immer Tätigkeiten, bei denen ich meine selbstständige und innovative Arbeitsweise ausleben konnte. Eine geregelte Arbeitszeit und gute Bezahlung waren mir damals sicherer, auch wenn die Selbstverwirklichung manchmal auf der Strecke blieb.

Welche Hürden musstest Du meistern?
Zu allererst musste ich nach meiner Aussteuerung durch die Krankenkasse Arbeitslosengeld beantragen, wurde arbeitsmedizinisch begutachtet und war gezwungen einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente zu stellen, um überhaupt einen Anspruch auf Geldleistungen der Arbeitsagentur zu erwerben.

Dass dieser Antrag und das damit verbundene Verfahren mein Leben verändern sollte, hätte ich auch nicht gedacht:

Ich kam aus diesem Rentenverfahren nicht mehr heraus, ein neuer arbeitsmedizinischer Begutachtungstermin wurde mir durch die Arbeitsagentur verweigert. Mein Widerruf gegen den Rentenantrag hätte die Streichung des Arbeitslosengeldes nach sich gezogen. Mir wurde sogar untersagt, mich eigeninitiativ zu bewerben.

Das konnte und wollte ich mir nicht bieten lassen! Also erklärte ich dem Bürokratismus den Kampf und zog alle Register. Ohne Erfolg.
Letztendlich informierte ich eine bekannte Tageszeitung und startete auf deren Onlineportal einen Hilferuf: …“Hilfe Arbeitsagentur will mich nicht arbeiten lassen“… Bereits am nächsten Tag kümmerte man sich um meinen Fall und klopfte höflich bei der Arbeitsagentur an. Eine Woche später wurde ich arbeitsmedizinisch begutachtet und für arbeitsfähig erklärt….
Dies war nur eine kurze Zusammenfassung. Die Angelegenheit erstreckte sich über Monate und ist sehr anschaulich von der Werner-Bonhoff-Stiftung dargestellt: http://www.werner-bonhoff-stiftung.de/meldung-von-claudia-domnik-firma-kuchenseppel-neu-isenburg.html
Nachlesen lohnt sich wirklich. Es ist so unglaublich, dass ich es selbst noch nicht wahrhaben kann…

Für diesen Kampf gegen die bürokratischen Hürden wurde ich 2014 mit dem Werner-Bonhoff-Preis ausgezeichnet.

Welche Talente/Begabungen/Neigungen konntest Du einbringen?
Ich bin sehr kreativ und flexibel. Kann mich auf schwierigste Situationen einstellen.
Phantasiere auch mal gerne herum, bin aber zu realistisch, um mich blauäugig in Dinge hinein zu träumen. Was ich mir vornehme, das setze ich auch um. Wer mich belächelt, wird eines Besseren belehrt. Ich bin nicht dazu geboren, mich anzupassen. Und wer sich mir in den Weg stellt, muss damit rechnen, daß ich ungebremst an ihm vorbeirausche :-). Ich spinne meine Fäden gerne weiter, halte immer alle Augen und Ohren offen, bin sehr innovativ und habe immer den Kalkulator im Kopf… Zahlen sind meine Leidenschaft und ich weiß zu jeder Sekunde des Tages, über die Rentabilität meines Unternehmens Bescheid.

Ich teile mich selbst in Fachgebiete auf: Buchhaltung, Controlling, Public-Relation&Art-Design, Sekretariat, Verkauf und Office-Management, Web-Design und Master of Mr. Proper u.v.m. Und auf dem Wochenmarkt bedanken sich die Kunden zum Abschied mit den Worten:…“und grüßen Sie den Chef von mir“…

Ich schmunzle immer über kleine Unternehmen – wie meines -, die für alles einen Manager brauchen, der dann wieder einen Manager braucht etc. pp.. Und am Ende haben diese dann EINE große MANEGE und viele Clowns und Äffchen, die alles zu Tode managen und die eine Hand nicht mehr weiß, was die andere gerade gemacht hat.

DAS wird mir ganz sicher nicht passieren. Dafür bin ich auch zu sehr Kontrollfreak.

Was hat Dir Mut gemacht, diesen Weg zu gehen? Was hat Dich getragen?
Meistens geht dem Mut die Wut und die Verzweiflung voran. So war das auch bei mir. Viele Operationen, 18 Monate zu Hause und kein Ende in Sicht. Arbeit fand ich keine – auch keine, die weit unter meiner Qualifikation lag. Das hat man davon, wenn man bei jedem Bewerbungsgespräch einen Verband im Gesicht trägt. Man hat offensichtlich Angst, daß man sich einen Problemfall ans Bein bindet.

Somit verwirklichte ich eine jahrelang im Hinterkopf manifestierte Idee und setzte diese 6 Jahre später in die Tat um…

Die Renaissance eines uralten Berufsstandes, verbunden mit der Nutzung neuer Technologien und Medien als Werbe- und Kommunikationsplattform sowie
Verkauf von hochwertigen Produkten auf dem Wochenmarkt.

Gab es auch Zweifel an der Selbstständigkeit?
NEIN!. Selbst dann nicht, als meine Hausbank mir wegen eines Peanutsbetrags von 15.000,00 € keinen Kfw-Kredit beantragen wollte. Also verkaufte ich eben alles, was nicht festgeschraubt war, um mir meinen Traum zu erfüllen.

Was ist das Wichtigste, was Du auf Deinem Weg gelernt hast?
Man bekommt nichts geschenkt, aber dann muss man sich auch nicht bedanken.
Nur wer die Demut kennt, weiß den Erfolg zu würdigen.
Ich kann es jedem empfehlen. Das macht bodenständig.

Gab es Begleiter, Weggefährten, Menschen, die Dir Mut gemacht haben?
Meine größte Unterstützung war mein Lebensgefährte, der sich Arme und Beine für den Kuchenseppel ausgerissen hat. Der genauso fest an die gemeinsame Vision geglaubt hat wie ich. Der seine sichere Allianz-Agentur an den Nagel gehängt hat, um Wochenmarkt zu machen. Ein hartes Brot, dass aber mit viel Begeisterung und Freude an unserem Tun und dem Kundenfeedback sehr gut geschmeckt hat!
Wir mussten uns das alles aus eigener Kraft verdienen. Aber es hat uns eines ganz bestimmt gebracht: Einen Namen! Glaubwürdigkeit und hohe Medienwirksamkeit.
Und jede Menge Weiterempfehlungen, die ehrlichste Art der Werbung.

Was würdest Du heute anders machen?
Nichts.
Das, was wir sind, konnten wir erst werden, aus dem was wir geleistet und erlebt bzw. gelebt haben. Auch wenn die Zeiten mitunter sehr aufreibend und hart waren.
Auch wenn es viele Menschen gab, die an einen schlechten Scherz geglaubt haben.

Was rätst Du Menschen in der Lebensmitte, die ihren eigenen Weg gehen möchten?
Beide Füße am Boden und die Fäuste erhoben! Tut das, woran ihr glaubt. Aber geht nie einen Schritt zurück. Es gibt neue Wege zum Ziel, ihr erkennt sie nur nicht sofort. Bleibt authentisch und verstellt nie euer Wesen. Arbeitet immer mit den Kunden auf Augenhöhe und hebt nicht gleich beim ersten Erfolg ab. Euer Tun steht und fällt mit euren Fans! Und wenn ihr es richtig macht, sind das eure Kunden.
Bleibt an der Basis und delegiert nicht zu viel. Seid euch für die gleiche Arbeit eures „kleinsten“ Mitarbeiters nie zu schade! Das bringt euch Anerkennung eurer Mitarbeiter und die Gewissheit derer, dass ihr wisst, wovon ihr sprecht und was ihr euren Mitarbeitern abverlangt. Das kleinste Rad im Getriebe kann einen ganzen Motor zum Stillstand bringen. Und ihr müsst jederzeit dieses kleine Rad selbst ersetzen können.

Wie bist Du mit Existenzängsten umgegangen (oder gab es die nicht für Dich)?
Existenzängste habe ich kennengelernt, als ich mich selbstständig gemacht habe.
Startkapital auf kleinstem Niveau, jede Menge Kosten. Für neue Märkte braucht man weitere Mitarbeiter. Aber die kosten Geld, das man vielleicht noch nicht hat.
Ohne Mitarbeiter kein Wachstum, ohne Wachstum keine Minimierung der Stückkosten. Viele, viele schlaflose Nächte haben auch mich begleitet.

Aber wer nicht schlafen kann, der macht halt eben andere Sachen. Aufstehen, Kaffee kochen, PC anschalten und rechnen. Manchmal bin ich dann vor lauter Erschöpfung eingeschlafen. Aber mit der Gewissheit aufgestanden, dass es doch einen Plan B gibt. Kapitulation war noch nie mein Ding. Eher die Kalkulation.

Was hat Dich überrascht auf Deinem Weg? Was hat sich seitdem verändert?
Die hohe Medienwirksamkeit hat mich doch sehr überrascht. Man hat mich auf dem Fokus, berichtet tagein, tagaus über eine – mit Verlaub gesagt ..ungewöhnliche Existenzgründung mit Hindernissen…

Ich habe mich geehrt gefühlt, dass so ein kleines Licht wie ich mit einem von Deutschlands höchst dotierten Wirtschaftspreisen im Jahr 2014 ausgezeichnet wurde.

Wir werden nicht über ein gewisses Produkt identifiziert. Man kauft uns jedes Produkt ab. Das haben wir in den letzten Wochen immer wieder festgestellt.
Wenn meine Kunden mich fragen: ..“wie schmeckt das denn?“.. brauche ich nur wissend zu lächeln. Und schon ist es gekauft. Dieses Vertrauen muss man sich verdienen! Das beste Produkt der Welt taugt nichts, wenn deine Philosophie nicht stimmt. Wenn du dich zu sehr von „Deinem Baby“ entfernst und deine Wurzeln verlässt, stirbt auch der Glaube der Kunden an dem was du tust bzw. nicht mehr tust.

Was waren Deine Rückschläge (wenn es sie gab) und was Deine Erfolge?
Kleine Hiebe gab es immer wieder. Aber nichts, was man nicht in den Griff bekommen kann, wie Sie sich sicherlich vorstellen können.

Neid und Missgunst und kleine geschäftsschädigende Attacken waren auch darunter. Von Menschen, die in der Wahl ihrer Waffen nicht wählerisch sind und sich unter der Gürtellinie bestens auskennen. Aber darüber rege ich mich nicht auf. Das was du gibst, kommt als Bumerang wieder zurück. Der Gedanke daran lässt mich schon fast fröhlich pfeifend in die Zukunft blicken. Aber ich fühle mich über so viel Aufmerksamkeit an unserem Erfolg schon fast geehrt. Wieder eine Bestätigung dafür, alles richtig gemacht zu haben.

Wo kann man Deine Firma Kuchenseppl antreffen?
Unser Fokus liegt auf den Wochenmärkten, aber wir sind auch auf Unternehmensveranstaltungen, Feierlichkeiten, Messen unterwegs und präsentieren uns auf höchstem Niveau. Nähere umfangreiche Informationen kann man auf

www.kuchenseppel.de nachlesen.

Dort findet man auch viele Hintergrundinformationen zu mir und meiner Gründergeschichte.

Wenn Du 3 Wünsche frei hättest für Deinen weiteren Lebensweg, welche wären das?
Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit.
Alles Weitere kommt von alleine.

Claudia Domnik hat sich und ihre Ziele nie verraten. Sie glaubt an ihre Vision, gibt dafür alles und lässt sich nicht von ihrem Weg abbringen.
Liebe Claudia Domnik – ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und wünsche Dir alles Gute. Und ich freue mich darauf, Dich auch einmal persönlich kennenzulernen an Deinem Kuchenstand.
Alles Liebe,
Sabine

Fotos: Claudia Domnik

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Sabine!
    Ich habe mit großer Aufmerksamkeit alles gelesen und bin sehr beeindruckt über den Mut, mit Schicksalen fertig zu werden. Diese Artikel geben viel Kraft, das eigene Leben in die eigene Hand zu nehmen. Mach weiter so !
    Ingeburg

    • Hab vielen Dank für Deinen Kommentar – er bedeutet mir sehr viel und ich freue mich sehr darüber.
      Gleichzeitig möchte ich auch den Menschen danken, die sich hier für ein Interview bereiterklärt haben.
      Das Wiederaufstehen und Überwinden von Hindernissen macht Stärke aus und Claudia Domnik ist wirklich eine sehr mutige Frau.
      Herzliche Grüße
      Sabine

    • Liebe Rosemarie,

      ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung, denn Mut machen ist ja das Anliegen meines Blogs.
      Ich bin allen Interviewpartnern so dankbar, dass sie ihre Geschichte hier teilen. Daraus schöpfe auch ich Kraft.

      Manchmal gibt es Situationen, da braucht man sehr viel Mut. Dann ist es gut, wenn wir Menschen an unserer Seite haben, die uns unterstützen (Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde…).
      Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, dass Du es schaffst durch die Angst hindurchzugehen und es Menschen gibt, die Dir dabei helfen.
      Ganz herzliche Grüße,
      Sabine

  2. Hallo Claudia,

    vielen Dank für all das, was Dich auszeichnet: Den Mut, die Kraft, das Durchhaltevermögen, den Glauben an Dich und Deine Ziele – und vielen Dank, dass Du diese Geschichte hier erzählt hast.

    Sie macht mir und bestimmt vielen anderen Frauen Mut, nicht nur zu 100% sondern zu 150% zur eigenen Idee zu stehen und an diese und die eigene Stärke zu glauben.

    Liebe Sabine, ich danke Dir, dass du Dir so viel Mühe machst, solche Menschen zu finden und uns deren Geschichte auf Deinem Blog zur Verfügung zu stellen.

    Beste Grüße an euch beide.

    Sabine

    • Liebe Sabine,

      vielen, lieben Dank für Deinen Kommentar.

      Claudia ist wirklich eine sehr starke Frau, die für sich und ihre Ziele gekämpft hat. So viel Power steckt an:-).
      Ich bin Claudia sehr dankbar, für ihre Bereitschaft und Offenheit, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Das ist ein großes Geschenk.
      Alles Liebe,
      Sabine

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