Alles auf Neubeginn

Alles auf Neubeginn – das scheint mein Jahresmotto zu sein.
Ich sitze vor dem Fenster in meinem Klang- und Arbeitsraum. Beim Blick nach draußen sehe ich das Grün der Wiesen und Bäume.

Grün – meine Lieblingsfarbe – auch die Farbe der Heilung und des Herzchakras.
Am Himmel zieht ein Greifvogel seine Kreise und neben ihm sehe ich mehrere Paragleiter. Sie symbolisieren für mich grenzenlose Freiheit.

Meine Gedanken gehen zurück zum Sommer 2018.

Was hat sich seitdem alles verändert.
Unsere Jüngste bekam den gewünschten Studienplatz und zog in ihre neue Heimat. Für uns bedeutete das: Abschied nehmen und loslassen.
Aus unserem ehemals 5-Personen-Haushalt wurde nun ein 2-Personen-Haushalt.
Den Umzug unserer Tochter hatten wir kaum bewältigt, als schon die nächste Aufgabe anstand: Ausmisten und Entrümpeln. So viel hatte sich im Laufe der Jahre angesammelt.
Zudem wussten wir, dass ein Sohn unserer Vermieter in absehbarer Zeit unsere Wohnung beziehen wollte.
Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist in Oberbayern sehr angespannt, doch irgendwie war ich zuversichtlich, dass uns unsere Wohnung finden wird.

Mein Wunschort war Oberaudorf im Inntal.

Dort waren wir vor vier Jahren zum ersten Mal und ich war begeistert von dem schönen Ort, dem Kaisergebirge und der Weite. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Seitdem waren wir sehr oft dort. Allerdings ist es wahrscheinlicher, einen Sechser im Lotto zu gewinnen, als dort bezahlbaren Wohnraum zu finden.
So kamen wir auf die Idee, dass ich mir in Oberaudorf einen Nebenjob suche und dann vor Ort auf Wohnungssuche gehe. Im Internet fand ich ein Stellenangebot für eine Ergotherapeutin in einer Pflegeeinrichtung. Schnell war meine Onlinebewerbung verschickt und noch schneller erhielt ich die Einladung für einen Kennenlerntag mit dem Team der sozialen Betreuung. Ich war nicht die einzige Bewerberin, doch das Team hat sich für mich entschieden. Ab 1. Januar sollte es losgehen. Also intensivierten wir die Wohnungssuche und dehnten unseren Suchradius aus – bis zum 24 Kilometer entfernten Aschau im Chiemgau: Diesen idyllischen Ort besuchten wir sehr gerne.

Einige Wohnungen hatten wir angeschaut, doch sie waren entweder viel zu klein und/oder zu teuer. Nie hatte es bei uns Klick gemacht. Bis zum 1. November – da wollten wir eine Wohnung in Aschau besichtigen, für die es sehr viele Bewerber gab. Die Vermieter nahmen sich für ausgewählte Interessenten eine Stunde Zeit zum Kennenlernen. Und endlich kam der Klick: Ich spürte sofort diese wunderbare Energie in den Räumen und war fasziniert von der Stille (in Reichersbeuern hatten wir die letzten drei Jahre an einer Dauerbaustelle gelebt) sowie dem wunderschönen Blick auf das Kampenwandgebiet. Hier kommt mein Vertrauen ins Spiel: Ich wusste sofort, dass diese Wohnung und wir uns gefunden haben.

Am 11. November unterzeichneten wir den Mietvertrag.

Die nächsten Monate waren hart und ein ziemlicher Kraftakt: Ausmisten, entrümpeln, loslassen, einpacken, Möbel schleppen, weißeln, aufbauen…
Die ersten zwei Monate 2019 lebte ich zunächst alleine in der Wohnung, während mein Mann noch den Rest einpackte und die alte Wohnung für die Übergabe fertig machte.

Bis heute sitze ich am Abend vor dem Zubettgehen an der Balkontür und schaue auf die Lichter der Kampenwandbahn. Mittlerweile ist Aschau meine Nummer 1 und ich möchte hier nicht mehr weg. Die ganze Gegend ist irgendwie magisch. Nur 7 Kilometer sind es bis zum Chiemsee. In der Nähe gibt es wunderschöne Wasserfälle und neben der Prien viele kleine Bäche.
Wir leben auch viel direkter in der Natur: Die Spatzen nisten unterm Dach, Dachse besuchen nachts den Garten, ein Eichhörnchen schaut durch das Balkonfenster herein, Libellen und sogar ein Zaunkönig besuchten uns in unserem Wohnzimmer und ein Rotschwänzchen übernachtet hier.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich mit einem Buntspecht Anfang des Jahres:

Am Vormittag hörte ich plötzlich einen lauten Knall und lief durch die Wohnung, um zu schauen, ob etwas umgefallen ist. Da sah ich auf dem Balkon einen Vogel auf dem Rücken liegen, er war wohl im vollen Flug gegen die Scheibe geprallt, atmete aber noch. Also nahm ich die Kehrschaufel und öffnete die Tür: Sofort bewegte er ängstlich seine Beine und ich drehte ihn vorsichtig um. Verzweifelt schlug er mit seinen Flügeln, kam jedoch nicht von der Stelle. Dann lag er einfach nur da und ich beobachtete ihn voller Mitgefühl. Fast schon fürchtete ich er sei tot, als er sich plötzlich wieder aufrichtete: Es brauchte noch eine Weile, doch dann flog er davon. Ich bin voller Dankbarkeit, dass er es geschafft hat.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass auch ich in meinem Leben schon in vollem „Flug“ gegen die Scheibe geknallt bin, weil ich an etwas festgehalten habe, was mir nicht gut tat.
Doch manchmal bekommt man eine zweite oder dritte Chance und ein Neuanfang ist möglich, wenn man sie ergreift.

Einen Neubeginn gab es für mich ja auch in beruflicher Hinsicht:

Seit 9 Monaten arbeite ich mit alten und zum großen Teil demenzkranken Menschen und ich liebe meine Arbeit. Wer mir schon länger folgt weiß, dass ich eigentlich vor vier Jahren mit dem Gesundheitswesen abgeschlossen hatte. Auch bei meiner neuen Tätigkeit gibt es Rahmenbedingungen, die nicht einfach sind, jedoch habe ich hier sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten. Und ich kann unendlich viel von den den Bewohnern lernen – dazu mehr in einem anderen Artikel.
Ich  arbeite im Team der Betreuung mit wunderbar empathischen Kollegen.
Und dann gibt es ja auch noch meine Selbstständigkeit, der ich wieder mehr Raum einräumen will.

Jetzt verstehst Du vielleicht, warum es so lange keinen Artikel von mir gab.

Endlich habe ich das Gefühl, angekommen zu sein – innen und außen.

Ich freue mich, wenn Du hier weiter mitliest und darauf, Dir in der kommenden Woche wieder eine wundervolle Frau vorstellen zu können!

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Oh du Liebe, ich freu mich so, dass ihr endlich „angekommen“ seid!!
    Und du weißt ja… Ich bin normalerweise nicht neidisch… Aber, hach, ich freu mich soooo, dass ihr so einen wunder~vollen Platz gefunden habt und bin trotzdem bisserl neidisch 😍😍😍💜🎁😘😘😘😘😘

    Ich wünsche dir, dass deine Selbstständigkeit stetig wächst und schick dir liebe Herzensgrüße! Birgit 💜🎁😘

    • Danke liebe Birgit, Du wundervolle Seelenschwester.
      Ich freue mich schon auf das Interview mit Dir und das Treffen bei Dir im kommenden Jahr – mit Elke.
      Herzensgrüße zu Dir,
      Sabine

  2. Liebe Sabine, das waren ja wirklich sehr aufregende und umwälzende Monate. Und inzwischen ist so viel Schönes und Erfüllendes entstanden. Ganz wunderbar. Danke fürs Erzählen und alles Liebe weiterhin für dich/euch an diesen wundervollen Orten!

    • Liebe Gudrun,
      ich danke Dir für deine Bestärkung. Du bist ein wundervoller Herzensmensch.
      Ja, wir leben in der Fülle und ich bin unendlich dankbar dafür.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Es ist so schön das Du Dich nun sooo wohl fühlst in Aschau und bei Deinet Arbeit. Und das Ihr nun so traumhaft wohnt. Ich wünsche Dir/Euch nur das aller Beste und das es immer weiter Bergauf geht.
    Du bist ein wundervoller Mensch. ♥️🦋🌹
    Ganz Herzliche Grüße,
    Erika

    • Danke liebe Erika, für Deine herzlichen Worte und Dein Berühren. Ich bin so dankbar, dass es Dich gibt.
      Herzensgrüße zu Dir,
      Sabine

  4. Liebe Sabine, ich freue mich so sehr das du/ihr dort angekommen seid. Ja, es war ein langer Prozess und er hat viel Kraft gekostet, darum ist es jetzt soooooo schön, das sich alles gefügt hat. Herzensgruss 💚

    • Danke liebe Elke, vor drei Jahren haben wir uns mit Birgit gemeinsam aufgemacht und bei Jeder hat sich so viel verändert. Ich bin dankbar für unsere Freundschaft und unser gegenseitiges Begleiten.
      Herzensgrüße zu Dir,
      Sabine

  5. Liebe Sabine, von HERZEN DANK für Dein mitteilen! JA ALLES IST GUT! ES FÜGT SICH WIE ES SEIN SOLL! Da Du ja VERTRAUEN IN DAS LEBEN HAST! DU WIRST IMMER GESEGNET SEIN! Ich kenne den Ort, war dort mal vor Jahren, auch an der Kampenwand, ja so WUNDERVOLL UND MAGISCH… sei von HERZEN lieb umarmt von Monika und bleibe froh und gesund!

    • Liebe Monika,
      hab vielen Dank für Deinen herzlichen Kommentar. Das ist ja wundervoll – Du warst schon einmal in Aschau.
      Gesundheit wünsche ich Dir auch von ganzem Herzen. Es ist so schön, dass es Dich gibt.
      Herzensgrüße zu Dir,
      Sabine

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