25 Frauen, die unsere Welt besser machen?

Vor ein paar Tagen las ich einen Auruf zur Nominierung für den Award „25 Frauen, die unsere Welt besser machen“.
Aufgerufen hat dazu Edition F – eine Onlineplattform, die sich als digitales Zuhause für starke Frauen versteht.
Auf deren Seite kann man dazu lesen:
„Wir wollen in diesem Jahr die Frauen auszeichnen, deren Ideen und Handeln maßgeblichen Einfluss darauf haben, dass ein gutes Leben für alle möglich wird. Kluge Köpfe, die sich für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben einsetzen, für ökologisches Wirtschaften und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Die gerechte Bildungschancen fordern, sich gegen Diskriminierung und Hass stellen und für die Gruppen von Menschen stark machen, die keine Stimme haben oder ihnen eben genau dabei helfen, selbst für sich zu sprechen. Frauen, die unsere Welt verbessern. „

Diese Idee fand ich zunächst sehr schön: Hier sollen Alltagsheldinnen geehrt werden, „…die unser Zusammenleben aktiv mitgestalten und verändern…. “.

Auch in meinem Leben gab und gibt es viele Frauen, durch die ich lernen und wachsen konnte, die mein Leben bereichert haben.
Je mehr ich jedoch darüber nachdenke, welche davon ich für eine Auszeichnung vorschlagen möchte, umso mehr komme ich ins Grübeln.

Warum glaube ich, dass eine Frau den Award eher „verdient“ hat als eine andere?

Was macht unsere Welt eigentlich besser? Was macht uns einzigartig?

Sind es die Aktionen, die von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?
Ist es die stille alltägliche Mitmenschlichkeit?

Trägt nicht jede(r) von uns als „Mosaikstein“ zum großen Ganzen bei?

Ist es die Frau, die nach einem offensichtlichen Schicksalsschlag wieder ihr Leben in die Hand nimmt ?

Was weiß ich von den anderen gemeisterten Hürden, die nicht so offensichtlich sind – z.B. Traumata in der Kindheit…?

Was für mich von außen vielleicht gar nicht danach aussehen mag, kann für die Betroffene ein Meilenstein sein. Und damit nicht nur ihr Leben verändern.
Was ist mit der Frau, die jahrelang mit Alkohol ihren Schmerz betäuben wollte und nun frei von Suchtmitteln erste Schritte auf dem Weg in ein neues Leben beginnt?

Oder die Querschnittsgelähmte, die komplett auf die Hilfe anderer angewiesen ist und sich trotzdem riesig über einen kleinen Marienkäfer am Fenster freuen kann?

Was ist mit der Krankenschwester oder Altenpflegerin, die Schwerstarbeit leistet, manchmal verzweifelt und trotzdem ihre Menschlichkeit nicht verliert? Welche von ihnen ist ausreichend „besonders“, um für den Award vorgeschlagen zu werden?

Auf meinem Blog habe ich einige wunderbare Frauen interviewt und alle haben mein Leben bereichert und sind auf ihre Art und Weise einzigartig. Soll ich sie alle vorschlagen? Was macht eine besser als die andere?

Was ist mit der Frau, die mich immer wieder wütend „macht“ und mir damit aber auch einen Spiegel vorhält, an dem ich wachsen kann?

Ich kann mich auch an eine geistig behinderte junge Frau erinnern, die uns mit ihrer Fröhlichkeit angesteckt hat. Wie oft lache ich im Alltag?

Da gibt es die Frau, die am Wegesrand die Blümchen nicht pflückt, damit sich auch andere Menschen an ihnen erfreuen können.

Da ist die Mutter, die für ihre Kinder da ist und das Urvertrauen in ihnen bestärkt (was heute vielen Menschen abhanden gekommen ist). Gesellschaftliche Anerkennung erfährt sie nicht im Zeitalter von Kinderkrippen und Kindergärten.

Da ist die Alleinerziehende, die mehrere Jobs hat, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Am Ende des Tages hat sie oft keine Kraft mehr für ihre Kinder.

Da ist die Frau in den 40-ern, die täglich mit Ängsten und Panikattacken kämpft und sich trotzdem immer wieder nach draußen wagt.

Sind es nicht gerade diese vielen kleinen Momente im Alltag , die unser Leben bereichern. Kann ich da wirklich sagen, eine hat es mehr „verdient“ als eine andere?
Ich werde Niemanden für die Nominierung vorschlagen. Dennoch bin ich froh, dass es so etwas gibt: Ich konnte durch das Reflektieren die Fülle in meinem Leben wahrnehmen.
In diesem Sinne: Danke an alle Frauen (und Männer), die bisher meinen Weg gekreuzt und mich um neue Erfahrungen bereichert haben.
Herzlichst,
Sabine

 

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Sabine,

    damit sprichst Du mir aus dem Herzen. Was Du schreibst war genau der Grund, warum ich kürzlich die Seite von Edition F unverrichteter Dinge wieder geschlossen habe.
    Du hast es so treffend in Worte gefasst; Danke dafür.

    Herzlichst
    Conny

    • Liebe Conny,

      über Deine Rückmeldung freue ich mich sehr.
      Mir hat die Beschäftigung mit dem Thema noch einmal verdeutlicht, wie einzigartig jede und jeder von uns ist. Dafür bin ich dankbar.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  2. Liebe Sabine, liebe Conny,
    genauso habe ich gedacht und gefühlt. Wer kann schon beurteilen was für wen eine Herausforderung ist und wieviel Kraft sie kostet. Und ob die Leistungen, die auf den ersten Blick weltbewegend und lebensvervesdernd erscheinen es auch tatsächlich sind. Liebe Sabine, danke für den Ansporn noch einmal in meinem Leben zu schauen, von wem ich lernen konnte und wer mich vielleicht auch ohne sein Wissen bleibend positiv beeindruckt hat!
    Alles Liebe von Andrea!

    • Liebe Andrea,

      vielen, lieben Dank für Deine Rückmeldung.
      Ich freue mich sehr darüber.
      Wenn wir achtsam miteinander umgehen, können wir viel Schönheit und Fülle entdecken.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

  3. Liebe Sabine, liebe Conny, liebe Andrea,
    herzlich danke für den Bericht Sabine und auch für eure Kommentare. Ich habe mir auch die Website angeschaut und kann auch davon keine nominieren. DU Sabine hast es gut auf den Punkt gebracht, ich bin da ganz bei dir. Meine Heldinnen des Alltags sind auch starke Frauen, die kranke, alte, behinderte Menschen pflegen und rund um die Uhr ihnen zur Seite stehen, sei es in der Familie, im Heim oder im Spital…ihnen allen sollte das Bundesverdienstkreuz verliehen werden! Im Grunde sollen ALLE Frauen nominiert werden! Sie sind es, die das Feuer am brennen halten! Feuer eine Metapher für die LIEBE!
    Auf uns Frauen! JA, wir achten, ehren u würdigen uns untereinander u helfen uns gegenseitig!
    In diesem Sinne, viel Liebe und Vertrauen in das Leben! Sind wir es doch, die Leben schenken! Von Herz zu Herz – Herz Licht Moni

    • Liebe Moni,

      hab vielen Dank für Deinen leidenschaftlichen Kommentar.
      Mir gefällt da ganz besonders der Satz: „…wir achten, ehren u würdigen uns untereinander u helfen uns gegenseitig!“ – Das ist auch mir eine Herzensangelegenheit.
      Danke für die wunderbare Ergänzung.
      Herzliche Grüße,
      Sabine

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